Alterspersönlichkeiten im Pflegeheim: Viel hilft viel – manchmal.

Wer mit alten Menschen arbeitet, berichtet in der Regel von einem Phänomen, das die Motivation engagierter Pflegender sehr anschaulich macht: Die Betreuung von Bewohnern, die besonders viel Zuwendung brauchen und die damit auch viel Kraft kostet, wird auch als besonders Sinn stiftend empfunden. Stehen die richtigen Hilfsmittel zur Verfügung, kann hier eine verbreitete Not zur Tugend werden.

Helga*) ist ein gutes Beispiel dafür, wie viel Lebensfreude auch ein stark beeinträchtigter Mensch empfinden und vermitteln kann. Mit 66 Jahren erlitt Helga einen Schlaganfall, seitdem ist sie an Armen und Beinen gelähmt. Helga leidet an einer Post-Stroke-Depression, an Aphasie und Hypertonie. Sie ist bettlägerig und braucht auch für die kleineren Verrichtungen des Alltags Unterstützung. Doch wenn der kleine Hund der Einrichtung auf ihrem Schoss sitzt, strahlt Helga freudig. Und wenn Betreuer oder Besucher ihr vorlesen, spricht ruhige Zufriedenheit aus ihrem Blick.

Unsere Alterspersönlichkeiten

Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflegewissenschaft der Salzburger PMU eine Kategorisierung verschiedener Alterspersönlichkeiten erarbeitet. Ziel: Eine im pflegerischen Alltag hilfreiche Entscheidungshilfe für die richtige Ausstattung des Lebens- und Pflegeumfeldes. Wir haben vier Kategorien (A-D) beschrieben, jeweils unterteilt in ‚1‘ – kognitiv weitgehend unbeeinträchtigt – und ‚2’ – kognitiv beeinträchtigt.

Helgas Situation ist bei den Alterspersönlichkeiten recht typisch für die Kategorie D2.

Zeit für Helga

Anders als bei anderen, auf ähnliche Weise beeinträchtigten Menschen, hat sich Helgas Schlaf-Wach-Rhythmus nicht umgekehrt. Sie schläft gut in ihrem für ihre Bedürfnisse gut ausgestatteten Pflegebett. Und wenn sie nicht gestört wird, schläft sie meist auch durch.

Womit wir beim Thema sind: Helgas Betreuer werden eine so sehr auf Zuwendung angewiesene Bewohnerin auch nachts in regelmäßigen Abständen besuchen, um sich zu vergewissern, dass sie trocken liegt, sich wohl fühlt. Sie werden kontrollieren, ob ihre Laken bei unruhigem Schlaf nicht Falten bilden, die zu Druckgeschwüren führen könnten. Das bedeutet zum einen viel Zeitaufwand für den Nachtdienst, zum anderen eine wiederholte Störung für Helgas Schlaf.  Hier kommen Digtalisierung und Technik ins Spiel: SMART Care Control.

Gute Technik, böse Technik?

In der Frage, welche Rolle Technik in der Langzeitpflege spielen kann und sollte, vertreten wir eine sehr klare Position: Das Wesentliche bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen ist die Zuwendung durch ebenso qualifizierte wie empathische Menschen. Deren Engagement kann man gar nicht hoch genug wertschätzen: Hier wird in großem Maß seelische und körperliche Leistung erbracht, es wird viel Verantwortung übernommen. Das eigene Privatleben wird immer wieder den Bedürfnissen der anvertrauten Menschen untergeordnet.

Es muss unser erstes Ziel sein, diesen Pflegenden jene verfügbaren Technologien an die Hand zu geben, die es ihnen ermöglichen, sich auf ihre eigentlichen Aufgaben und Möglichkeiten zu konzentrieren. So freigesetzte Zeit ist wesentlicher Faktor bei der Lösung des noch immer wachsenden Personalproblems in der Pflege: Es geht nicht darum, Stellen ‚wegzusparen‘, sondern nicht besetzbare Stellen dadurch zu kompensieren, dass eine Konzentration auf das Wesentliche der Pflege möglich wird.

SMART Care

Konkret: Helgas Schlaf bleibt nicht zuletzt dadurch viel öfter als zuvor ungestört, dass eine intelligent vernetzte Sensorik überflüssiges, oft störendes nächtliches Nachschauen verzichtbar macht. Und die gleichzeitig dafür sorgt, dass wirklich erforderliche Intervention sofort erkannt und gemeldet wird – und zwar abgestuft nach Dringlichkeit, aktiv und detailliert auf Smartphones, Tablets und Monitoren der Pflegenden: Weicht das Bewegungsmuster Schlafender ab? Wird eine Tendenz erkennbar, das Bett zu verlassen oder ist das bereits geschehen? Ist ein Bewohner innerhalb eines üblichen Zeitrahmens nicht ins Bett zurückgekehrt? Ist Feuchtigkeit im Bett? Solche und andere Informationen kann ein SMART Care Control-System erkennen, analysieren, historisch vergleichen, mit von den Pflegenden vorgegebenen Werten abgleichen, dosiert mitteilen und zur Erleichterung der Dokumentation aufbereitet zur Verfügung stellen.

Deutliche Resultate

Am Ende stehen verminderte Risiken, ruhigere Abläufe, deutlich geminderter Stress besonders im Nachtdienst. All das trägt wesentlich zur wichtigen Gewissheit bei, einen wirklich guten Job machen zu können. Für die Bewohner steht neben einem ausgeprägten Sicherheitsgefühl der nicht unnötig gestörte Schlaf – ein unschätzbarer Gewinn an Lebensqualität.

Ebenso wichtig ist der positive Effekt auf die Planbarkeit der Ressourcen für die Betreiber: Zufriedenere Pflegende, die Verringerung auch wirtschaftlicher Risiken sind wichtige Beiträge zur Bewältigung der wachsenden Herausforderungen an die Pflege insgesamt.

Alterspersönlichkeiten und SMART Care

Bei der Analyse und Kategorisierung unserer Alterspersönlichkeiten – wir erinnern uns, Helga zählt zur am meisten auf Unterstützung angewiesenen Kategorie D2 – ging es uns zuallererst um Entscheidungshilfen für sinnvollen Einsatz technischer Hilfsmittel zur Unterstützung von Pflege. Pflegeautomation mit sinistren Fütterungsmaschinen oder rührenden Dialogsimulatoren ist für die meisten von uns kein Thema. Um so mehr aber die Freisetzung wertvoller Zeitkontingente Pflegender durch unterstützenden Technikeinsatz an den richtigen Stellen: SMART Care Control eben. Damit die Menschen im Pflegedienst ihre so wichtige Rolle so ausfüllen können, wie sie es wollen und wie nur sie es können: Sinn stiftend und den Menschen wirklich gerecht werdend.

*) Name geändert, der tatsächliche Name ist unserem pflegewissenschaftlichen Partner Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) bekannt.


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