Alterspersönlichkeiten im Pflegeheim: Kein Bedarf bei A1?

Alterspersönlichkeiten in der Pflege: funktionale und kognitive Leistungsfähigkeit
Alterspersönlichkeiten in der Pflege: funktionale und kognitive Leistungsfähigkeit

Wer sich Gedanken über die richtige Ausstattung von Pflegeheimen macht, wird besser früher als später zu jener Fragestellung gelangen, die alle anderen Kriterien mitbestimmt: Was genau brauchen alte Menschen, was unterstützt die Pflege? Auf der Suche nach Antworten schaut man genau hin und stellt fest: Jeder Mensch ist ein Einzelfall. Gemeinsam mit den Pflegewissenschaftlern der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) suchten wir nach jenen Antworten, die dennoch übergreifend weiterhelfen. Und wurden fündig.   

Diese Dame, nennen wir sie Helga, ist fit, keine Frage. Körperlich und geistig voll auf der Höhe. Helga ist vielseitig interessiert, ist aktiv, mit der Familie über Laptop und Telefon immer in Verbindung. Sie besucht regelmäßig das Fitnessstudio des Wohnheims. Der erste Eindruck: ‚Könnte im Grunde trotz ihrer 81 Jahre auch in ihren eigenen vier Wänden leben’.

Auf den zweiten Blick aber fallen die Symptome ihrer Parkinson-Erkrankung auf. Im Gespräch erwähnt sie ihren Bluthochdruck und eine Enteritis, die ihr ein Problemkeim eingebrockt hat. Hinzu kommt ein depressives Syndrom. Trotzdem bewältigt Helga die Dinge des täglichen Lebens weitgehend selbständig.

Ganz wichtig ist Helga, dass sie in der Nacht gut schlafen kann. Unausgeschlafen leidet ihre Stimmung. Auch die Symptome des Parkinson machen sich dann verstärkt bemerkbar.

Alles in Butter?

Nun könnte man meinen, für die fitte alte Dame und die sie betreuenden Pflegenden wäre mit den Minimalanforderungen an die Ausstattung einer Pflegeeinrichtung alles getan. Zum Teil mag das stimmen: Helga braucht keine Dekubitusprophylaxe, kein Niedrigbett, keine Mobilisierungshilfen – und dennoch macht die richtige Ausstattung einen gewaltigen Unterschied.

Vier Kategorien, jeweils eine Unterkategorie – Helga ist A1

Um eine im Alltag gut nutzbare und belastbare Entscheidungshilfe in Fragen der richtigen Ausstattung des Lebens- und Pflegeumfeldes zu bekommen, erforschen wir Alterspersönlichkeiten in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflegewissenschaft der Salzburger PMU. Erstes wichtiges Ergebnis ist eine Kategorisierung der Alterspersönlichkeiten. Dabei geht es nicht etwa um eine Kehrtwende weg vom Trend zur Individualisierung – im Gegenteil. Denn wo es gelingt, wesentliche Eigenschaften in Standards zu fassen, bleiben mehr Zeit und Ressourcen für die individuelle Berücksichtigung persönlicher Aspekte.

Wir haben vier Kategorien beschrieben: A bis D, jeweils unterteilt in 1 (kognitiv weitgehend unbeeinträchtigt) und 2 (kognitiv beeinträchtigt). Helga ist A1 – sie ist sowohl geistig als auch körperlich weitgehend leistungsfähig.

Was ist dennoch wichtig?

Bereits in dieser ersten Kategorie macht die richtige Ausstattung für alle Beteiligten bedeutsame Unterschiede. Helga braucht guten Schlaf. Sie sollte also gut liegen, innerhalb individuell vorgegebener Limits autonom Veränderungen ihrer Position vornehmen können – und nachts möglichst nicht unnötig gestört werden.

Ersteres stellt ein hinsichtlich der Verstellmöglichkeiten sinnvoll ausgestattetes Bett mit einer komfortablen Matratze sicher, das zudem Helgas hohes Aktivitätslevel unterstützt: Lesen, stricken, E-Mails schreiben geht dann auch mal gemütlich im Bett, das Aufstehen fällt leicht und bedeutet kein erhöhtes Risiko.

Intelligente Systeme, bitte!

Letzteres allerdings – die Vermeidung unnötiger nächtlicher Störungen durch Pflegekräfte, die alle zwei Stunden ins Zimmer schauen – ist eines der Themen, die intelligente Sensorik so wünschenswert macht. Wobei die Betonung auf ‚intelligent‘ liegt: Ein allzu schlichter Bett-Ausstiegs-Alarm führt auch gern mal zu hektischer und für Bewohner wie für Pflegende stressiger Betriebsamkeit, wenn eigentlich kein Grund zur Beunruhigung ist.

Systeme wie SMART Care Control (SCC) sind darauf ausgelegt, eine Vielzahl von Messungen mit hinterlegten Szenarien abgleichen zu können: Biometrische Daten, Vitalzeichen wie Atemfrequenz, Puls, Bewegungsmuster und individuelle Gewohnheiten werden zunehmend ausgewertet und in Echtzeit verglichen, um flexibel und intelligent reagieren zu können. Für Helga bedeutet das ungestörten Schlaf. Für ihre Pflegenden bedeutet es weniger Fehlalarme und keine unnötigen Kontrollgänge.

Erhöht sich der Pflegebedarf, werden Systeme wie SCC noch nützlicher – doch dazu mehr in den folgenden Ausgaben dieses Newsletters.

Weitere Informationen



Share

Newsletter abonnieren

Diese Webseite nutzt Cookies

Wir nutzen Cookies zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit und um unsere Webseite entsprechend weiterzuentwickeln.