Außerklinische Intensivpflege wird starke Säule der Pflegebranche

Enrtwicklung der Intensivpflegedienste in Deutschland 2014 - 2017
Enrtwicklung der Intensivpflegedienste in Deutschland 2014 - 2017

Die außerklinische Intensivpflege avanciert als Teilsegment zu einer festen Größe und zählt zu einem der wichtigsten Wachstumsmotoren der Branche. Die ambulante Intensivpflege gewährleistet die Versorgung schwerstpflegebedüftiger Patienten außerhalb des klinischen Umfelds. Neben der häuslichen Intensivpflege in Form einer 1:1 Betreuung steigt die Zahl von sogenannte Intensiv-WGs und Beatmungs-WGs stetig an.

Die Versorgung in Intensiv-WGs birgt ökonomische und prozessuale Vorteile, die diese Form der Versorgung stark wachsen lässt. Durch den Personalengpass in der Pflege lässt sich die 1:1 Versorgung in der Häuslichkeit immer schwerer realisieren. Die Personalausstattung pro Patient ist in der Wohngruppe niedriger und hängt von der Größe der Wohngruppe ab. Ab einer Belegung von mindestens vier Patienten ist die permanente Anwesenheit von mindestens zwei Fachkräften ein Vorteil für Patient und Pflegefachkraft. Aktuell bieten mehr als 1.000 Pflegedienste Leistungen im Segment der außerklinischen Intensivpflege an, etwa 800 davon sind auf diesen Bereich spezialisiert.

Die Anzahl der Intensiv-WGs liegt derzeit bei rund 780 Standorten mit starker Tendenz nach oben. Knapp 17 Mrd. Euro betrug das Marktvolumen der ambulanten Pflege 2015, davon beträgt der Anteil der Intensivpflege beträgt rund drei Mrd. Euro jährlich. Die rechtlichen Voraussetzungen für die Eröffnung von Einrichtungen sind von der jeweils geltenden Landesgesetzgebung abhängig.

Zahl der Intensivpflegedienste und -Wohngruppen nimmt zu

Das starke Wachstum zeigt sich insbesondere in der Auswertung der Entwicklung der vergangenen drei Jahre. Seit Ende 2014 nahm die Zahl der Standorte von ambulanten Pflegediensten mit einem Schwerpunkt in der außerklinischen Intensivpflege um 20 Prozent zu, während die Gesamtzahl der Standorte ambulanter Dienste im gleichen Zeitraum vergleichsweise moderat um 7,5 Prozent gewachsen ist. Das Wachstum setzt sich im Jahresverlauf 2017 fort. In den ersten drei Quartalen des Jahres wurden 63 Standorte ambulanter Intensivpflegedienste neu eröffnet. Hinzu kommen fünf stationäre Einrichtung mit einem intensivpflegerischen Schwerpunkt. Ausgehend von bundesweit 14.700 Standorten ambulanter Pflegedienste beträgt der Anteil der Intensivpflege derzeit rund 7,1 Prozent.

Krankheitsbilder entscheidend im Belegungsmanagement der außerklinischen Versorger

Dem Krankenhaus fällt im Belegungsmanagement ambulanter Intensivversorger eine zentrale Rolle zu, die Diagnosen der stationären Einrichtungen sind entscheidend für die ambulante Anschlussversorgung.

Eine Reihe von Diagnosen, die von den Krankenhäusern in standardisierten ICD-10 Codes erfasst werden, führen in der Regel zur einer außerklinischen Anschlussversorgung. Hierzu zählen neben typischen Lungenkrankheiten wie beispielsweise COPD (chronic obstructive pulmonary disease), infolgedessen eine dauerhafte Beatmung der Patienten erforderlich werden kann, auch Nervenkrankheiten wie Multiple Sklerose (MS) und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sowie Behandlungsfälle von Wachkomapatienten. Die Häufigkeit der Diagnosen lässt sich durch die jeweiligen Behandlungsfallzahlen der Kliniken ableiten. Bundesweit behandeln Krankenhäuser rund 240.000 Behandlungsfälle COPD und 50.000 Fälle Multiple Sklerose (MS), während die Summe der Behandlungsfälle von Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) mit jährlich rund 5.500 Fällen deutlich niedriger liegt. Die außerklinische Anschlussversorgung kann neben der ambulanten auch in stationären Einrichtungen erfolgen. Bundesweit bieten rund 600 Pflegeheime beispielsweise die Anschlussversorgung von Multipler Sklerose (MS) an.

Wenige hoch spezialisierte Einheiten konzentrieren sich auf Kinderintensivpflege

Ein besonderer Teilbereich der außerklinischen Intensivpflege ist die Versorgung von pflegebedürftigen Kindern. Auch in diesem Segment bewegen sich spezialisierte Anbieter. Etwa 110 ambulante Intensivpflegedienste sind ausschließlich auf die außerklinische Versorgung von Kindern fokussiert. Neben der ambulanten Versorgung sind zunehmend auch stationäre Konzepte schwerstpflegebedürftiger Kinder zu beobachten, allein in diesem Jahr wurden drei stationäre Einrichtungen mit dem Fokus der außerklinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen neu eröffnet.

Die Konsolidierung in der außerklinischen Intensivpflege schreitet voran

Anders als im weiterhin kleinteiligen Segment der ambulanten Pflegedienste lockt die außerklinische Intensivpflege bereits seit einigen Jahren internationale Investoren an. Zu den größten Unternehmen des Marktes zählen die Bonitas Holding, die an rund 60 Standorten insgesamt rund 2.500 Patienten größtenteils außerklinisch versorgt, sowie die Deutsche Fachpflege Gruppe (DFG) mit 650 Patienten unter anderen in über 40 Wohngruppen. Während die Bonitas Lavorel Medicare zu einem Luxemburgischen Finanzinvestor gehört, befindet sich die Deutsche Fachpflege Gruppe mit Chequers Capital im Portfolio eines französischen  Finanzinvestors. Der Konsolidierungstrend hält seit etwa fünf Jahren an, eine Abschwächung ist bislang nicht erkennbar.

Fazit

Das Segment der außerklinischen Intensivpflege ist durch das gezielte Entlassmanagement der Kliniken und der technischen Möglichkeiten in der Versorgung hochgradig beeinträchtigter Patienten in der Häuslichkeit ein stabiler Markt geworden. Die landesrechtlichen Bedingungen für die Versorgung von Intensivpatienten lassen eine heterogene Versorgungslandschaft entstehen, da teilweise keine Wohngemeinschaften erlaubt oder sogar stationäre Unterbringen gefordert sind. Zudem variieren die Preise für die Leistungserbringung stark, so dass allgemein nicht von „der“ Intensivpflege gesprochen werden kann. Dennoch ist dieses hochspezialisierte Feld der Pflege zu einer fester Säulen avanciert und unterstreicht die Bedeutung und Leistungsfähigkeit der Pflegebranche.

Quellen

  • Qualitätsberichte der Krankenhäuser: Gemeinsamer Bundesausschuss G-BA
  • Pflegestatistik 2015: Statistisches Bundesamt
  • Pflegedatenbank: pm pflegemarkt.com GmbH

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