Belegungsmanagement in Pflegeheimen

Grafik 1: Auslastungsquote von Pflegeheimen im Vergleich der Bundesländer
Grafik 1: Auslastungsquote von Pflegeheimen im Vergleich der Bundesländer
Grafik 2: Belegung in Abhängigkeit zu den Investitionskosten im Bewohner-Tagessatz
Grafik 2: Belegung in Abhängigkeit zu den Investitionskosten im Bewohner-Tagessatz
Grafik 3: Belegungsquote von Pflegeheimen in Abhängigkeit zur Kapazität
Grafik 3: Belegungsquote von Pflegeheimen in Abhängigkeit zur Kapazität
Grafik 4: Auslastung von Pflegeheimen nach Trägerschaft
Grafik 4: Auslastung von Pflegeheimen nach Trägerschaft

Aus der Zahl der aktuell verfügbaren Pflegebetten in stationären Pflegeeinrichtungen und der Anzahl der vollstationär versorgten Menschen ergibt sich ein Überangebot, welches ein professionelles Belegungsmanagement der Betreiber stationärer Einrichtungen erfordert. Den 890.000 momentan verfügbaren Betten stehen nur 830.000 Pflegebedürftige gegenüber, die vollstationär versorgt werden. Neben der Art der Trägerschaft haben insbesondere größenspezifische Faktoren und regionale Gegebenheiten großen Einfluss auf die Auslastung der Pflegeheime. Es gibt jedoch noch eine Vielzahl weiterer Einflussfaktoren, wie unsere Analyse zeigt.

Auslastung Pflegeheime 2017


Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland liegt aktuell bei knapp 3 Millionen1). Der überwiegende Anteil wird in der häuslichen Umgebung durch Angehörige oder mit Unterstützung durch ambulante Pflegedienste versorgt. Etwa 830.000 Menschen werden in Pflegeheimen vollstationär versorgt. Demgegenüber stehen momentan 890.000 Pflegebetten für die vollstationäre Dauerpflege zur Verfügung. Somit ergibt sich eine Auslastungsquote von durchschnittlich 92,9 Prozent.

Regionale Belegungsquote von Pflegeheimen


Große Unterschiede ergeben sich bei den Belegungsquoten in den einzelnen Bundesländern (siehe Grafik 1). Die höchsten Belegungsquoten erreichen die stationären Pflegeeinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen (jeweils 96,6 Prozent), Thüringen (95,7 Prozent) und Sachsen-Anhalt (95,4 Prozent). Mit Nordrhein-Westfalen (94,2 Prozent) folgt das bevölkerungsreichste Bundesland auf Rang vier.

Insbesondere in den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen haben Betreiber dagegen mit einer niedrigen Belegungsquote zu kämpfen. Die Auslastung der Pflegebetten liegt dort deutlich unter 90 Prozent. Das liegt unter anderem am höheren Anteil der durch ambulante Pflegedienste versorgten Patienten. Beträgt dieser im Bundesdurchschnitt 23,5 Prozent, liegt die ambulante Pflege in Hamburg (29,2 Prozent) und Bremen (28,7 Prozent) deutlich höher2).

Kosteneinfluss auf die Auslastungsquote


Neben regionalen Gegebenheiten zählen auch die für Bewohner entstehenden Kosten zu den Einflussfaktoren auf die Auslastungsquote von Pflegeheimen. Als Indikator dient der Tagessatz der Investitionskosten, der den Bewohnern in Rechnung gestellt wird (siehe Grafik 2). Es zeigt sich, dass Heime mit täglichen Investitionskosten in Höhe von weniger als 10 Euro eine deutlich höhere Auslastung (94,1 Prozent) vorweisen können als Pflegeheime, deren tägliche Investitionskosten höher liegen als 10 Euro (92,6 Prozent).

Auch die niedrige Quote in Hamburg und Berlin lässt sich neben der angespannten Wettbewerbssituation durch solche Kostenfaktoren erklären. Während sich die täglichen Kosten für vollstationäre Pflegebetten (Investitionskosten, EEE, Unterkunft & Verpflegung) in Hamburg auf durchschnittlich 59,80 Euro und in Berlin auf 56,89 Euro summieren, liegen die Kosten in den angrenzenden Bundesländern Schleswig-Holstein und Brandenburg mit 47,07 Euro und 44,47 Euro deutlich darunter.

Herausforderungen für große Pflegeheime


Ein weiterer Faktor in der Belegung von Pflegebetten zeigt sich bei der Betrachtung der Größe der Einrichtungen. Insbesondere Betreiber von Heimen mit mehr als 120 Pflegebetten stehen vor großen Herausforderungen im Belegungsmanagement. Die Analyse der Auslastungsquote zeigt, dass diese großen Heime im Durchschnitt weniger als 90 Prozent belegen können. Im Gegensatz dazu liegt die durchschnittliche Auslastung kleiner Einrichtungen mit weniger als 80 Pflegebetten bei 93,8 Prozent und somit überdurchschnittlich hoch (siehe Grafik 3). Dies lässt sich unter anderem darauf zurückführen, dass insbesondere kleine und Kleinsteinrichtungen häufig als krankheitsspezifische Spezialeinrichtungen fungieren und entsprechend nachgefragt werden. 

Patientenmanagement der Trägergesellschaften


Einen deutlichen Vorsprung in der Belegung vollstationärer Pflegebetten haben die Einrichtungen gemeinnütziger und kommunaler Träger. Mit einer Auslastung von 94,6 Prozent im Segment gemeinnütziger und 94,4 Prozent bei den kommunalen Trägern liegen diese im Belegungsmanagement deutlich vor den privaten Trägern, deren Pflegeheime im Durchschnitt nur zu 91,5 Prozent ausgelastet sind (siehe Grafik 4).

Ein Vorteil der gemeinnützigen und kommunalen Träger besteht darin, dass diese in der Regel als sogenannte Komplexträger agieren und neben Pflegeeinrichtungen auch Krankenhäuser, Rehakliniken und weitere Einrichtungen betreiben, die als Zuweiser für die stationäre Pflege fungieren. Durch gezieltes und professionelles Patientenmanagement können Patienten an die Unternehmensstrukturen gebunden und gezielt die eigenen Heime belegt werden.

Fazit


Die durchschnittliche Belegungsquote von Pflegeheimen in Deutschland ist mit durchschnittlich 92,9 Prozent.zwar hoch, aber angesichts des Kostendrucks auf Dauer nicht ausreichend. Eine auskömmliche Auslastung setzt ein professionelles Belegungsmanagement auf Betreiberseite voraus, um den Einflussfaktoren gerecht zu werden. Während Betreiber gemeinnütziger und kommunaler Einrichtungen die eigenen Zuweiserstrukturen nutzen können, stehen insbesondere private Träger in Hinblick auf die Marktbewegungen im Zuge des Pflegestärkungsgesetzes 3 (PSG II) und die damit einhergehende Ambulantisierung vor einer Herausforderung.

Um zukünftig kostendeckend und profitabel arbeiten zu können, braucht es intelligente Zuweiserstrukturen und Marketingkonzpete. Zudem kann Digitalisierung für mehr Effizienz im Pflegealltag sorgen und dadurch Mitarbeiter entlasten und Freiräume für Bewohner und Patienten schaffen. Der Hohe Kostendruck im stationären Segment setzt voraus, dass Einrichtungen schnell und flexibel reagieren können. Hierfür müssen nicht nur die Einrichtungen Anstrengungen auf sich nehmen, sondern es bedarf auch starker Partner.

Definitionen


Auslastung –
Die Auslastungsquote von Pflegeheimen ergibt sich aus der verfügbaren Kapazität der Einrichtungen (Anzahl der verfügbaren Pflegebetten) sowie der Anzahl der aktuell versorgten Patienten. Diese ergibt sich aus der letzten MDK Begutachtung der Einrichtung.

Belegungsmanagement – Als Belegungsmanagement werden Aktivitäten definiert, die eine optimale Auslastung vorhandener Kapazitäten / Pflegebetten von stationären Gesundheitseinrichtungen wie Pflegeheime oder Krankenhäuser anstreben. Teil des Belegungsmanagement ist eine integrierte Zuweiser- und Marketingstrategie.

Zuweiser – Im Gesundheitssektor werden Patienten mittels Überleitungs- und Casemanagement in Nachfolgeeinrichtungen vermittelt. Dies  geschieht teilweise auf Rezept oder folgt einem vordefinierten Ablauf. Daher wird im Gesundheitssektor oft von Zuweisern gesprochen, die auch als Multiplikatoren bezeichnet werden können.

Quellen

  1. Pflegestatistik, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2017
  2. Barmer GEK Pflegereport 2016, abgerufen am 11.09.2017
  3. Pflegedatenbank, pm pflegemarkt.com GmbH, abgerufen am 01.09.2017


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