Kann Ritter Rost es richten? Wege aus der Pflegekrise

Einige Aufmerksamkeit auch in Publikumsmedien erregten jüngst wieder Nachrichten aus der Pflege: Diesmal geht es um ein Pilotprojekt, das den Einsatz zweier Robotertypen in einem Pflegeheim testen soll. Ein alternativloser Schritt in die richtige Richtung?

Landauf, landab wird in allen Richtungen nach Wegen aus der Pflegekrise gesucht – gut so. Auch gut, dass verfügbare Technologien helfen sollen, den Pflegenden die Arbeit zu erleichtern; höchste Zeit, das Augenmerk von Forschung und Entwicklung in der Medizintechnik neben der Kranken- möglichst gleichberechtigt auch auf die Altenpflege zu richten.

Auch in eigener Sache

Hier singen wir auch unser eigenes Lied: Denn seit Jahren entwickeln wir mit Hochdruck unsere intelligent vernetzte Sensorik Smart Care Control (SCC) weiter, um Lebensqualität und Sicherheit für Pflegende wie Gepflegte zu verbessern. In den vielen Gesprächen und der Forschung vor und während der Arbeit an SCC haben wir aber auch erfahren und gelernt, wo deutliche Grenzen für Einsatz und Akzeptanz smarter Technologie in der Pflege Grenzen setzen.

Das Wesen der Pflege

Medienerfolg wird in Aufmerksamkeit gemessen – und die erringen natürlich spielend bewegte Bilder von alten Menschen im Dialog mit possierlichen Blechkameraden. Genau hier aber könnte eine ‚rote Linie‘ überschritten sein. Unsere GesprächspartnerInnen in Pflege und Pflegewissenschaft nämlich haben uns immer wieder überzeugend dargelegt, dass menschliche Zuwendung und Qualifikation unverzichtbar sind. Technische Hilfsmittel sind willkommen. Der moralisch-emotionale Kern der Pflege aber, die Zuwendung von Mensch zu Mensch, muss unangetastet bleiben. Technik darf und soll zuarbeiten, helfen, erleichtern, aber nie ersetzen. Wer sich oder seine Angehörigen der Pflege anvertraut, will und darf genau das voraussetzen.

Was Technik von Pflege lernen muss

Wir sprachen an dieser Stelle schon von den in Zusammenarbeit mit unseren pflegewissenschaftlichen Partnern in der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg entwickelten prototypischen Alterspersönlichkeiten. Mit deren Hilfe können die Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen und ihrer Betreuer leichter und sicherer geeigneten Lösungen und Hilfsmitteln zugeordnet werden; die entstandene Matrix unterscheidet zum einen verschiedene Stadien körperlicher, zum anderen kognitiver Beeinträchtigung.

Bei deren Erarbeitung lernten wir eine zunächst paradox scheinende Tatsache kennen: Der nahe liegende Gedanke, dass ein besonders hohes Maß notwendiger Zuwendung auch einen besonders intensiven Einsatz technischer Hilfsmittel begründen könnte, ist oft nicht zielführend. Denn gerade Menschen mit Demenz brauchen besonders intensive Zuwendung, reagieren aber häufig beängstigt auf Ungewohntes, etwa auf allzu präsente Technik.

Technik in der Pflege? Ja, aber.

Toll also, wenn selbstfahrende Trolleys hinter Pflegenden unterwegs sind, um jederzeit das Benötigte griffbereit zu halten. Wunderbar, wenn intelligente Mobilisierungshilfen den geplagten Rücken der Menschen im Pflegedienst schonen helfen. Wichtig, wenn smarte Systeme helfen, Handlungsbedarf von Fehlalarmen zu unterscheiden und unnötige Wege und Störungen zu vermeiden. Gemeinschaft, soziale Kontakte und pflegerische Zuwendung aber müssen den Menschen überlassen bleiben. Egal, wie lustig Ritter Rost auch blinken mag.



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