Münsteraner Expertengespräche Pflege und Gesundheit – Pflege aus der Datenwolke

Dr. Stefan Kettelhoit, Dr. Eike Wenzel und Prof. Jürgen Osterbrink luden Experten zur Entwicklung von Visionen über die Pflege der Zukunft ein
Dr. Stefan Kettelhoit, Dr. Eike Wenzel und Prof. Jürgen Osterbrink luden Experten zur Entwicklung von Visionen über die Pflege der Zukunft ein

Roboter, die Patienten Blut abnehmen. Videosprechstunde für die Landbevölkerung. Mitdenkende Rollstühle und Pflegebetten oder Überwachungsmonitore im Haushalt: "Die Zukunft der Pflege ist digital, und nur wer sich heute darauf einstellt, wird von den Trends von übermorgen profitieren." Die Botschaft von Zukunftsforscher Dr. Eike Wenzel an die Teilnehmer der Ersten Münsteraner Expertengespräche Pflege und Gesundheit ist klar: "Der demografische Wandel und der steigende Kostendruck im Gesundheitswesen werden die Branche verändern. Die Antworten auf die brennenden Fragen der Zukunft werden in digitalen Datenwolken zu finden sein", so der Gründer und Leiter des Heilbronner Instituts für Trend- und Zukunftsforschung ITZ.

"Die gesamte Pflegebranche vom Wissenschaftler bis zum Industriezulieferer muss sich mit diesen Fragen beschäftigen", forderte Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Gemeinsam mit Dr. Stefan Kettelhoit, Geschäftsführer des Pflegebettenherstellers Hermann Bock GmbH, begrüßte der Pflegewissenschaftler in Münsters Zwei-Löwen-Club Vertreter aus Sanitätshäusern, Reha-Einrichtungen, Heimbetreiber, der IT-Branche, Zertifizierer und der Medizintechnik. "Wir wollen mit dieser Denkwerkstatt zum Nachdenken über neue kosteneffiziente und zugleich humane Wege in der Pflege anregen" skizzierte Osterbrink die Intention der Veranstaltung. Rund 70 Vertreter aus ganz Deutschland waren am 1. und 2. September der Einladung zum Premierentreffen gefolgt.

"Sie haben es in der Hand. Entscheidend für erfolgreiche Unternehmen ist die Fähigkeit, Megatrends zu erkennen und daran ausgerichtet Dinge zu gestalten, an die jetzt noch niemand denkt" empfahl Dr. Eike Wenzel dem Plenum. Rund 15 solche Megatrends gebe es derzeit. Darunter seien der demografische Wandel, Gesundheit, Digitalisierung und Individualisierung diejenigen, die den Gesundheits- und Pflegesektor am stärksten beeinflussen. 

Krebsmedikamente werden personenbezogen auf Basis des Genprofils entwickelt werden. Roboter werden uns teilweise pflegen. Das Profil der Gesundheitsversorgung wird sich ändern, die Digitalisierung wird auch in diesem Bereich an Bedeutung gewinnen." Gesundheit sei auch weltweit ein Jobmotor: "In den USA werden bis 2022 rund 60 Prozent aller neu entstehenden Minijobs im Gesundheitssektor entstehen" prognostiziert der Zukunftsforscher.
 
Wie sehr sich die Pflege in den letzten 30 Jahren verändert hat, erläuterte Dr. Stefan Kettelhoit. "1985 wurde vor allem zu Hause gepflegt. Der Kostendruck war viel geringer, die Pflegeversicherung noch nicht einmal erfunden und auch das Medizinproduktegesetz war noch nicht in Kraft." Heute würden Qualitätsmanagement-Systeme und Dokumentation den Pflegealltag viel stärker beeinflussen. "Nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels und neuer Wohnformen steigt die häusliche Pflege um rund 10 Prozent. Sogenannte Smart Care Lösungen werden zum Pflegealltag von uns allen gehören" prognostizierte Kettelhoit.
 
Am zweiten Tag der Veranstaltung beschäftigten sich Kostenträger, Politiker sowie Vertreter aus Medizin, Pflege und Industrie mit der Frage, wie man konkret die Versorgung pflegebedürftiger Menschen verbessern kann. Die Reihe soll jährlich fortgesetzt werden.

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