Wohin bewegt sich der Pflegemarkt: Trendanalyse 2018

Neugründungen von Pflegediensten, Pflegeheimen und Tagespflegen 2017 bis 2018
Neugründungen von Pflegediensten, Pflegeheimen und Tagespflegen 2017 bis 2018

Die Pflegebranche ist eines der interessantesten und am schnellsten wachsenden Wirtschaftsfelder der Republik. Die Marktdynamik drückt sich nicht zuletzt durch aktive Gründung von neuen Standorten in allen Segmenten der ambulanten und stationären Pflege aus. Die neuen Gründungsdaten machen Trends deutlich sichtbar, insbesondere Ambulantisierung, Quartierskonzepte und außerklinische Intensivpflege. 

Trends ambulant – Tagespflege-Boom und ambulante Pflege im Quartier

Im ambulanten Segment des Pflegemarktes eröffneten im Jahr 2017 insgesamt 691 neue ambulante Pflegedienste sowie 459 Tagespflegen mit insgesamt rund 2.700 Plätzen. Die Tagespflege nimmt als Erweiterung des Angebots eine zunehmend wichtige Rolle, insbesondere im ambulanten Sektor ein.

Tagespflegen

Die mittlere Kapazität der neu entstandenen Tagespflegeeinrichtungen beträgt 15 Plätze, wobei die Tagespflege in unterschiedliche Versorgungsmodelle eingebettet sein kann. Mit über 50 Prozent der Tagespflegen wird der überwiegende Anteil unter dem Dach eines ambulanten Pflegedienstes betrieben. Rund 41 Prozent der teilstationären Einrichtungen sind in stationäre Strukturen integriert und einem Pflegeheim angegliedert.

Auffallend ist, dass fast zwei Drittel der Tagespflegen in sogenannten Quartierskonzepten in Verbindung mit betreutem Wohnen betrieben werden. Lediglich rund 7 Prozent sind private alleinstehende Tagespflegeeinrichtungen und sind keinem Betreiber unmittelbar zuzuordnen.

Pflegedienste

Bei der Analyse der Versorgungsmodelle ambulanter Pflegedienste ist eine Häufung von Verflechtungen mit Quartiers- oder Wohngruppenkonzepten erkennbar. Während das Angebot etwa der Hälfte der Pflegedienste aus klassische Versorgungsformen schließen lässt, liegt der Anteil der Pflegedienste mit einer Kombination aus betreutem Wohnen sowie einer Tagespflege bei über 30 Prozent.
 
Anders als im stationären Segment sind im Bereich der ambulanten Pflegedienste bislang große Übernahmewellen ausgeblieben.

Die Unternehmen wachsen, von vereinzelten Übernahmen kleinerer Pflegedienste abgesehen, vorwiegend organisch in regionalen Clustern und ergänzen ihr Angebot durch die Eröffnung zusätzlicher Standorte. Eine Ausnahme hiervon ist im Teilsegment der außerklinischen Intensivpflege zu erkennen. Dieses Teilsegment weckt weiterhin das Interesse internationaler Investoren.

Trends stationär – Jede zweite Einrichtung mit ambulantem Zusatzangebot

Im Segment der stationären Pflege lassen sich drei Versorgungsmodelle klar gegeneinander abgrenzen. Neben klassischen Pflegeheimen, die insbesondere durch eine Kapazität ab 80 Plätze gekennzeichnet sind, entstehen aktuell eine Vielzahl sogenannter Residenzkonzepte, deren geringere Kapazität durch teilstationäre Versorgung oder betreutes Wohnen ergänzt wird.

Über 70 Prozent der neu entstandenen Residenzkonzepte bieten gleichzeitig betreutes Wohnen an. Von den 132 neuen Pflegeheimen 2017 zählen 58 Häuser zu den klassischen Einrichtungen und verfügen durchschnittlich über eine Platzzahl von 107 Betten. Die 54 Einrichtungen in der Versorgungsform der Residenzkonzepte wurden mit einer mittleren Bettengröße von 56 realisiert. Interessant ist insbesondere die Entwicklung gemeinnütziger Träger. Die neu eröffneten Pflegeheime der großen Wohlfahrtsverbände sind mit durchschnittlich 54 Plätzen deutlich kleiner als die Häuser privater Betreiber und fallen in die Kategorie der Residenzen mit ergänzenden Tagespflegeangeboten und betreutem Wohnen.

Darüber hinaus entstanden 20 Spezialeinrichtungen mit rund 19 Pflegeplätzen im Mittel. Hierzu zählen neben 7 Intensivpflegezentren und 4 Kinderpflegeheimen auch 9 kleine Einheiten mit Fokus auf die Versorgung von Demenzpatienten. Gesamt betrachtet wurden damit im Jahr 2017 circa 8.500 neue stationäre Pflegeplätze geschaffen.

Ausblick zur Weiterentwicklung in 2018

Der Trend der Ambulantisierung setzt sich auch 2018 fort. Die Anzahl der Neugründungen im Januar übersteigt sowohl bei den Pflegediensten, als auch den Tagespflegen den Vorjahresmonat. Es sind 68 Tagespflegen mit einer Kapazität von insgesamt 870 Plätzen neu entstanden. Zum Vergleich: Im Januar 2017 hatten „nur“ 53 neue Tagespflegen den Betrieb aufgenommen. Eine ähnliche Entwicklung zeigt auch die Zahl der neuen Pflegedienste. Im Januar 2018 sind 84 neue Pflegedienste an den Start gegangen, 25 mehr als ein Jahr zuvor.

Von den 14 im Januar eröffneten Pflegeheimen gehören acht in die Kategorie der Residenzkonzepte und betreiben zusätzlich eine Einheit für betreutes Wohnen. Dies entspricht einem Anteil von fast 60 Prozent.

Insgesamt ergibt sich ein klares Trendbild, welches die Grenzen zwischen ambulanten und stationären Angeboten zunehmend verschwimmen lässt: Klassische Pflegeheimbetreiber ergänzen ihre Angebote ambulant und umgekehrt integrieren große ambulante Pflegedienste teilweise stationäre Einrichtungen in ihr Portfolio.



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