Technische Hilfen bei Demenz – Lösungen rund ums Bett

Demenz kennt vielfältige Formen und umfasst zahlreiche Krankheitsbilder und Ausprägungen, doch eines ist bei allen Demenzerkrankungen gleich: Die Betroffenen Personen benötigen Anleitung, Orientierung und – situationsabhängig – oftmals auch persönliche Hilfe. In der Gesamtheit ist dies nicht einfach zu leisten, müssen doch zu jeder Tages- und Nachtzeit Betreuungspersonen vor Ort sein und beispielsweise wissen, wann ein Bewohner des Nachts das Bett verlässt um die Toilette aufzusuchen. Es gilt, sichere Umweltfaktoren zu schaffen. Automatisch das Licht einzuschalten etwa oder sicherzustellen, dass der Bewohner nach dem Toilettengang wieder im Bett liegt.

Demenz bedeutet hohen Pflege- und Betreuungsaufwand

Aufgrund des hohen Betreuungs- und Pflegeaufwands kommen besonders Angehörige in der häuslichen Pflege an ihre Grenzen. Zum einen ist die häusliche Umgebung im Gegensatz zur Pflegeinrichtung oftmals nicht ideal für die Betreuung gestaltet und birgt zahlreiche Alltagsgefahren, zum anderen benötigen gerade in der Nacht die betreuenden Angehörigen selbst ausreichend Ruhe um sich zu erholen und können nicht den beispielhaft genannten Toilettengang begleiten.

Das Bett – ein Demenzhilfsmittel

Ganz gleich, welche Demenzerkrankung vorliegt, dass Bett - idealerweise ein Pflegebett - wird eine zentrale Rolle in der Versorgungssituation einnehmen. Es soll zugleich für den Dementen einen Hort der Geborgenheit und einen Wohlfühlfaktor darstellen, darf ihn dabei aber auch nicht desorientieren oder gar gefährden und muss ein Maximum an Selbstständigkeit gewährleisten. Diese wichtigen Aufgaben müssen auch noch unauffällig und im Hintergrund bewältigt werden -  am besten so, dass die demente Person gar nicht bemerkt, dass sie unterstützt wird. Keine geringe Herausforderung für Funktion, Konstruktion und Design, sodass bei der Bettengestaltung gegebenenfalls auch Schwerpunkte gewählt werden müssen. Nicht jedes Pflegebett ist für jeden Einzelfall geeignet. Vielmehr müssen die Funktionseigenschaften auf die spezifischen Defizite der Betroffenen aber auch auf die Wünsche der Pflegenden abgestimmt sein.

Die im Einzelfall zu stellende Frage lautet also: Was soll mit der Versorgung beim wem erreicht werden? Anhand dreier Beispiele wird im Folgenden verdeutlicht, worauf zu achten ist:

Beispiel 1: Schwerpunkt „Veränderungen vermeiden, Orientierung im Alltag erhalten“

In der häuslichen Versorgung kommt es darauf an, die gewohnte Umgebung möglichst nicht zu verändern. Je vertrauter die Umgebung für den Kranken, umso eher nimmt er sie als sein Wohnumfeld wahr. Ein Pflegebett ist für Demenzkranke häufig befremdend und vermittelt eine Krankenhaussituation. Hier bieten sich Bett-in-Bett-Systeme an, die in vorhandene Betten eingesetzt werden können und die vertraute Situation mit den Vorteilen eines Pflegebetts wie rückenschonendes Arbeiten oder Höhenverstellung für den Transfer kombinieren. Selbst in Doppelbetten kann so eine Betthälfte nachgerüstet werden, etwa weil der demenzkranke Partner ruhiger schläft, wenn er den vertrauten Menschen in seiner Nähe weiss, oder der pflegende Partner möchte aufmerksam werden, falls der Kranke in der Nacht aufsteht.

Beispiel 2: Schwerpunkt „Sicherheit auch bei motorischer Unruhe“

Demenzerkrankungen gehen oft mit Schlafstörungen und Störungen des Schlaf-Wachrhythmus einher. Wird die Schlafphase unterbrochen stehen die Betroffenen aufgrund von Unruhe und/oder Orientierungsstörungen auf. Sind sie zudem körperlich geschwächt, kommt es dann häufig zu Stürzen.

Selbst Bettgitter vermeiden das Aufstehen nicht, versuchen doch die regelhaft auch in der Gefahrenkognition eingeschränkten Betroffenen, solche Bettgitter zu überwinden. Besser ist hier der Einsatz von Niedrigbetten, die während der Schlafphase abgesenkt werden und so Stürze vermeiden helfen. Allerdings wäre ein Niedrigbett nicht indiziert, wenn der Betroffene noch sicher aus der normalen Betthöhe Ein- und Aussteigen kann und kein besondere Sturzgefahr aufweist.

Beispiel 3: Schwerpunkt „Selbstbestimmtheit bewahren durch unsichtbare Hilfen“

Doch selbst wenn die Betroffenen noch in der Lage sind, sicher aufzustehen kann ein intelligentes Bettsystem noch weiter unterstützen. Erkennt etwa eine in das Bett integrierte Sensorik, dass der demente Bewohner aufsteht, wird automatisch das Licht eingeschaltet und so der Weg zur Toilette geleitet. Oder ein Alarmruf wird ausgelöst, wenn der Betroffene nicht nach einer einstellbaren Zeit wieder das Bett aufsucht; kehrt die Person nicht zurück, könnte dies ein Hinweis sein, dass sie gestürzt ist oder umherwandert.

Diese unauffällige und im Hintergrund arbeitende Technik erspart den Bewohnern nicht nur unnötige Kontrollbesuche, sondern fördert sie in ihrer Mobilität und Selbstbestimmtheit. Pflegekräfte gewinnen zudem mehr Zeit, sich gezielt denjenigen Bewohnern zu widmen, die ihre Unterstützung benötigen. Kritisieren könnte man hier die „lückenlose Überwachung“, zudem ja die Möglichkeit besteht, dass das System die Aktivitäten direkt dokumentiert. Letzteres ist nicht uninteressant für die institutionelle Pflege, doch sind hierbei die strengen Anforderungen des Schutzes personenbezogener Daten zu beachten, denn die automatisierte Aufzeichnung dieser Informationen unterliegt gemäß Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) besonderen Regeln. Moderne, dem Stand der Technik und der medizinisch-pflegerischen Erkenntnisse entsprechende Systeme unterstützen die Gesundheitseinrichtungen auch bei der Umsetzung dieser aktuellen Problematik.

Moderne Hilfsmittel, ein zukunftsweisender Weg

Demenzerkrankungen werden in den nächsten Jahren zunehmen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft führt dazu aus:  „In Deutschland leben gegenwärtig fast 1,6 Millionen Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jahr für Jahr treten etwa 300.000 Neuerkrankungen auf. Infolge der demografischen Veränderungen kommt es zu weitaus mehr Neuerkrankungen als zu Sterbefällen unter den bereits Erkrankten. Aus diesem Grund nimmt die Zahl der Demenzkranken kontinuierlich zu. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf rund 3 Millionen erhöhen. Dies entspricht einem mittleren Anstieg der Zahl der Erkrankten um 40.000 pro Jahr oder um mehr als 100 pro Tag.“ *)

Hier bieten moderne Hilfsmittel Lösungsansätze für eine menschenwürdige und sichere Versorgung der betroffenen Personen. Um die Selbstständigkeit demenziell erkrankter Menschen so lange wie möglich zu erhalten und zu fördern, sind individuell angepasste Hilfen im jeweiligen Wohnumfeld erforderlich und eine sinnvolle Ergänzung - aber natürlich kein Ersatz - für die personenbezogene Pflege. 

 

*) Deutsche Alzheimer Gesellschaft: https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf



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