Kliniken als potenzielle Zuweiser für Pflegeheime – regionale Potenziale werden nicht genutzt

Abbildung 1: Insgesamt wurden 2015 rund 385.000 Behandlungsfälle in Pflegeheime entlassen. Fachabteilungen mit den höchsten Anteilen sind Geriatrie (9%), Unfallchirurgie (8%), Neurologie (7%)
Abbildung 1: Insgesamt wurden 2015 rund 385.000 Behandlungsfälle in Pflegeheime entlassen. Fachabteilungen mit den höchsten Anteilen sind Geriatrie (9%), Unfallchirurgie (8%), Neurologie (7%)
Abbildung 2: Verhältnis der Entlassungen zu verfügbaren Pflegeplätzen offenbart Potentiale in NRW, Hamburg und Berlin
Abbildung 2: Verhältnis der Entlassungen zu verfügbaren Pflegeplätzen offenbart Potentiale in NRW, Hamburg und Berlin
Abbildung 3: Die Fallzahlen und Entlassungen in Pflegeheime je Fachabteilung - mehr als 11% der Fälle in der Geriatrie werden direkt in Pflegeheime entlassen.
Abbildung 3: Die Fallzahlen und Entlassungen in Pflegeheime je Fachabteilung - mehr als 11% der Fälle in der Geriatrie werden direkt in Pflegeheime entlassen.

Allgemeine, internistische Abteilungen, Geriatrie, Unfallchirurgie sowie neurologische Fachabteilungen bieten besondere Potenziale im Zuweisermanagement

Als entlassende Abteilungen fallen insbesondere Krankenhäuser mit Fachabteilungen für Innere Medizin, Geriatrie, Unfallchirurgie und Neurologie ins Gewicht (Abbildung 1). Internistische Abteilungen als breites Fachgebiet der Medizin bieten das höchste Zuweiserpotenzial der Abverlegung in Pflegeheime.  Allein ein Viertel der in stationäre Einrichtungen entlassenen Patienten kommen aus gastroenterologischen und kardiologischen Abteilungen. Die Fachbereiche für Geriatrie haben 2015 mehr als elf Prozent der Behandlungsfälle, etwa 34.000 Fälle, in Pflegeheime entlassen. Ein Jahr zuvor lag die Zahl der Entlassungen in Pflegeheime noch bei weniger als 30.000 Fällen. Somit betrug die Zunahme der Entlassungen in Pflegeheime allein im Fachbereich der Geriatrie binnen eines Jahres mehr als 13 Prozent. Ein ähnliches Wachstum verzeichneten auch die Fachabteilungen für Unfallchirurgie, die 2015 knapp 30.000 Behandlungsfälle in Pflegeheime entließen. Des Weiteren nimmt die Neurologie mit 26.000 Entlassungen in Pflegeheime ebenfalls eine weitere zentrale Position im Zuweisermanagement ein (Abbildung 2).

Vorhandene Potenziale in Nordrhein-Westfalen und Hessen

Knapp 30 Prozent der in Pflegeheime entlassenen Behandlungsfälle der Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen stammen aus den Fachabteilungen für Geriatrie, Unfallchirurgie und Neurologie. Demgegenüber stehen nominal weniger verfügbare Pflegeplätze in Pflegeheimen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Verglichen wurde dabei der relative Anteil der Entlassungen der Fachabteilungen mit dem jeweiligen Anteil der verfügbaren Pflegeplätze je Bundesland (Abbildung 3). Ein ähnliches Verhältnis zeigt sich Hessen, wo knapp 10 Prozent der relevanten Behandlungsfälle einem relativen Anteil der Pflegeplätze in Höhe von sieben Prozent gegenüber stehen. Die bundesweit größte Diskrepanz zeigt das Verhältnis in den beiden Stadtstaaten Hamburg und Berlin. Während auf Berlin fast zehn Prozent der Entlassungen relevanter Fachabteilungen in Pflegeheime entfallen, beträgt der Anteil der Pflegeplätze in der Hauptstadt nur knapp vier Prozent. Daraus ergeben sich in diesen Bundesländern Potenziale, die bislang nicht optimal genutzt werden.

Ein gegenteiliges Bild zeichnet die Analyse für die Flächenländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Dort liegt der relative Anteil der Behandlungsfälle der Fachabteilungen unter der relativen Platzzahl stationärer Pflegeeinrichtungen – teilweise deutlich.

Basis der Analyse der Krankenhäuser und Pflegeheime

Um einen Zusammenhang zwischen den Standorten von Pflegeheimen und Krankenhäusern mit Abteilungen für Innere Medizin, Geriatrie, Unfallchirurgie und Neurologie herzustellen, wurden die Angebote aller deutschen Kliniken und Krankenhäuser analysiert. Während nahezu jedes Krankenhaus eine Station für Innere Medizin betreibt, verfügen von den insgesamt 1.862 Krankenhäusern lediglich 554 explizit über eine Fachabteilung für Unfallchirurgie.

Eine Fachabteilung für Neurologie, die neben der stationären Pflege insbesondere auch für den Bereich der ambulanten und stationären Intensivversorgung Relevanz besitzt, betreiben bundesweit 422 Krankenhäuser. An 337 Standorten stehen eigene Fachabteilungen für Geriatrie zur Verfügung, die 2015 rund 310.000 Fälle behandelten.

Den Standorten der Krankenhäuser wurden anschließend die Standorte der 11.400 Pflegeheime, die Plätze für vollstationäre Pflege anbieten, gegenübergestellt und der jeweils relative Marktanteil pro Bundesland ermittelt.

Quellen:

  • Grunddaten der Krankenhäuser 2015, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016
  • Sebastian Meißner, pflegemarkt.com, abgerufen am 16.06.2017


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