Trend zur Spezialisierung von Pflegeheimen nimmt zu

Preis (EEE) und Kapatität von Pflegeheimen mit Spezialisierung im Vergleich

Preis (EEE) und Kapatität von Pflegeheimen mit und ohne Spezialisierung

Träger von Pflegeheimen mit und ohne Spezialisierung

Die klassische stationäre Versorgung in Pflegeheimen befindet sich in einem Wandel. Die zunehmende Ambulantisierung mit alternativen Wohn- und Residenzkonzepten und ambulant betreuten Wohnanlagen stellt Betreiber klassischer Pflegeheime vor Herausforderungen. Wir zeigen, wie Pflegeheime sich durch Spezialisierung zum Beispiel auf das Thema Demenz vom Wettbewerb absetzen.

Während das Segment der stationären Pflege zwischen 2013 und 2015 mit 2,5 Prozent nur moderat gewachsen ist, nahm die Zahl ambulanter Versorger im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent zu. Den größten Wachstumsschub erfuhr der Bereich der Tagespflege, hier stieg die Zahl der Standorte um 18 Prozent. Mit Fachpflegeabteilungen für Demenz, Wachkoma oder junge Pflegebedürftige besetzen stationäre Pflegeeinrichtungen zunehmend erfolgreich Marktnischen und grenzen sich dadurch von der herkömmlichen stationären Versorgung ab. An bislang 2.600 Standorten von Pflegeheimen konnte mindestens eine Spezialisierung festgestellt werden, zahlreiche Häuser sind bereits komplett spezialisiert. Insbesondere vor dem Hintergrund zukünftiger Einzelzimmerquoten beispielsweise in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen stellt eine Spezialisierung für kleinere und defizitäre Einrichtungen eine Alternative dar. Mit der Übergabe und Umstrukturierung stationärer Einrichtungen zu Intensiv-Wohngruppen in Baden-Württemberg und Hamburg gab es 2017 hierfür gleich zwei prominente Beispiele: Die Charleston-Gruppe übergab einen Standort an die Deutsche Fachpflege Gruppe (DFG), einem der führenden Unternehmen im Segment der außerklinischen Intensivpflege, und die zur Korian-Gruppe gehörende Casa Reha Holding gab ihren Standort in Hamburg an die Berliner Pflegewerk Gruppe ab. Pflegewerk betreibt bundesweit sektorübergreifende Wohnkonzepte, teilweise im Bereich der außerklinischen Intensivpflege. Typische Pflegeheim-Schwerpunkte sind insbesondere drei Kategorien:
  • Die Versorgung schwerstpflegebedürftiger Patienten, beispielsweise Wachkomapatienten und beatmungspflichtiger Patienten
  • Eine Spezialisierung im Segment der Kinder- und Jugendpflege, unter anderem die Versorgung jüngerer Pflegebedürftiger
  • Ein Schwerpunkt in der Versorgung von Demenzkranken und Alzheimerpatienten

Schwerpunkt Demenz zunehmend im Betreuungsangebot von Pflegeheimen

Der häufigste Schwerpunkt stationärer Einrichtungen ist eine Spezialisierung auf den Bereich Demenz. Fast 2.000 der bundesweit rund 11.500 Pflegeheime mit vollstationärer Versorgung betreiben eine Fachabteilung für Demenzkranke oder widmen sich ausschließlich der Versorgung demenzkranker Patienten. Die Fachabteilungen werden häufig separat ergänzend zur klassischen Versorgung betrieben. Aus diesem Grund sind Häuser mit dieser Fachabteilung in der Regel größer als normale Pflegeheime. Während Pflegeheime im Durchschnitt eine Kapazität von 82 Pflegebetten mit vollstationärer Versorgung zur Verfügung stellen, beträgt die durchschnittliche Zahl der Plätze in Pflegeheimen mit einer Fachabteilung für Demenz 93 Pflegebetten. Die Fachabteilungen für Demenz bieten im Schnitt zwischen 10 und 20 Plätze für erkrankte Bewohner. Auffälligkeiten zeigt auch die Auswertung der Preistabellen der Demenzeinrichtungen (siehe Grafik 1). Im Schnitt beträgt der monatlich zu entrichtende einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) einer Einrichtung mit Demenzspezialisierung rund 533 Euro. Somit liegt der EEE in diesen Häusern deutlich unterhalb des Durchschnitts sämtlicher Pflegeheime, dieser beträgt aktuell rund 561 Euro. Die übrigen Kostensätze für Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten weisen keine gravierenden Unterschiede auf.

Pflegeheime mit Spezialisierung überwiegend privat geführt

Stationäre Pflegeeinrichtungen mit einer Demenz-Ausrichtung werden überwiegend privatwirtschaftlich betrieben, rund 55 Prozent der Häuser befinden sich im Standortportfolio eines privaten Trägers. Diese Tatsache zeigt, dass insbesondere privatwirtschaftliche Träger durch individuelle Angebote und Spezialisierung auf den Trend der Ambulantisierung reagieren. Der stationäre Gesamtmarkt ist weiterhin gemeinnützig geprägt: Etwa 53 Prozent aller Pflegeheime werden durch die Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und andere gemeinnützige Träger betrieben (siehe Grafik 2). Die Analyse der bislang im Jahresverlauf 2017 neu eröffneten Pflegeheime zeigt, dass fast 20 Prozent der neu eröffneten Pflegeheime einen Schwerpunkt in der Versorgung von Demenzkranken setzen. Auch diese Häuser werden überwiegend privatwirtschaftlich betrieben. Die neu eröffneten Pflegeheime der großen Wohlfahrtsverbände sind mit durchschnittlich 54 Plätzen deutlich kleiner als die Häuser privater Betreiber und fallen in die Kategorie der Residenzen mit ergänzenden Tagespflegeangeboten und betreutem Wohnen. Während private Träger klassischer Pflegeheime zunehmend mit Hilfe von Spezialisierungen und Schwerpunkten agieren, nutzen Wohlfahrtsverbände ihr segmentübergreifendes Know-how für die Entwicklung zukunftsorientierter Versorgungsmodelle.

Fazit

Der Trend im stationären Segment des Pflegemarktes zeigt eine zunehmende Spezialisierung der Einrichtungen. Insbesondere im privatwirtschaftlichen Bereich ist diese Entwicklung deutlich. Drei nennenswerte Versorgungsmodelle lassen sich im stationären Segment gegeneinander abgrenzen: Erstens nimmt die Zahl spezialisierter Häuser, beispielsweise für die außerklinische Versorgung und Einrichtungen mit einem Schwerpunkt Demenz zu. Im Jahr 2017 eröffneten bislang 15 solcher spezialisierten Häuser. Daneben positionieren sich zweitens Betreiber mit sogenannten Residenzkonzepten oder Quartierskonzepten, in denen segmentübergreifende Angebote realisiert werden. 42 im Jahresverlauf eröffneten Einrichtungen fallen in die Kategorie Residenzkonzept. Das dritte Versorgungsmodell ist und bleibt das klassische Pflegeheim: Von den im Jahresverlauf 2017 insgesamt 95 neu eröffneten Pflegeheimen gehören 38 zu dieser Gruppe.

Quellen

  • Pflegedatenbank von pm pflegemarkt.com GmbH

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