Erste WLAN-Studie: Zu wenig Netz in Pflegeheimen

Grafik 1: Internetnutzung 65 Jahre und älter

Grafik 3: WLAN-Studie in Pflegeheimen 2018

Das Internet ist aus unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. 99,6 Prozent der 16-24jährigen sind online. Die Möglichkeiten des Netzes und die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft zieht auch ältere Menschen immer mehr in ihren Bann. Doch wird diesem Umstand auch in Pflegeeinrichtungen Rechnung getragen?

WLAN-Studie

Um herauszufinden, ob Pflegeeinrichtungen bereits heute der steigenden Nachfrage gerecht werden, hat pflegemarkt.com 575 Pflegeheime in einer Telefonumfrage nach dem aktuellen Stand der WLAN Verfügbarkeit befragt. Die Zahlen dieser Studie sprechen eine eindeutige Sprache: Das Thema WLAN ist aktuell in der deutschen Pflegelandschaft noch unterrepräsentiert.

Warum fehlendes WLAN ein Problem ist

Laut dem statistischen Bundesamt waren im Jahr 2011 nur knapp ein Drittel der über 65jährigen Senioren online. 2013 waren es bereits rund 41 Prozent; 2015 sogar schon 48,6 Prozent – rechnet man diesen starken Anstieg auf das Jahr 2018, kann man heute wohl davon ausgehen, dass etwa 57 Prozent aller Senioren das Internet nutzen (siehe Grafik 1). Und dass, so das statistische Bundesamt, sogar sehr aktiv: 2015 waren von den Internetnutzerinnen und -nutzern im Seniorenalter 67 Prozent jeden oder fast jeden Tag online, weitere 24 Prozent mindestens einmal pro Woche.

Zwar nutzten nur knapp ein Drittel der Seniorinnen und Senioren das Netz für soziale Netzwerke. Dafür stehen jedoch E-Mails und die Informationssuche im World Wide Web hoch im Kurs. 85 Prozent der Internetsurferinnen und -surfer ab 65 Jahren recherchierten im Netz nach Informationen zu Waren und Dienstleistungen. 67 Prozent lasen Online-Nachrichten und -Zeitungen. Besonders eine Dienstleistung fällt auf: Schon 2015 orderten 38 Prozent der Onlineeinkäuferinnen und -einkäufer ab 65 Jahren Arzneimittel im Onlinehandel. Damit lag der Anteil so hoch wie in keiner anderen Altersgruppe.

Diese Zahlen zeigen, dass sich bereits heute ältere Semester für die weite Welt der Onlinenutzung interessieren – und es werden noch mehr werden, wenn man bedenkt, dass heutzutage sehr viele Arbeitsplätze digitalisiert sind. Warum sollten die Senioren, auch nach ihrem Berufsleben, darauf verzichten wollen?

Nachfrage vorhanden, Angebot fehlt (noch)

Nur 37 Prozent der 575 befragten Pflegeheime, kaum mehr als ein Drittel, bieten ihren Bewohnern die Möglichkeit einer WLAN Nutzung an. Das ist das aktuelle Ergebnis der WLAN-Studie. Hinzu kommt: Über 80 Prozent der Einrichtungen, in denen eine WLAN Nutzung grundsätzlich verfügbar ist, berechnen diese Leistung extra. Der Anteil der Häuser, die ein kostenfreies Netz zur Verfügung stellen, ist mit 6 Prozent momentan noch sehr gering. Die übrigen Einrichtungen machten keine genauen Angaben zum Kostenfaktor WLAN.

Die Befragung zeigt aber auch einen verhalten positiven Zukunftstrend. So planen 28 Prozent der Senioreneinrichtungen, in denen heute keine Internetnutzung verfügbar ist, diese in absehbarer Zukunft nachzurüsten. Etwa jedes zehnte Pflegeheim bietet immerhin die Möglichkeit, sich Internet über einen eigenen Anschluss zu installieren. (Siehe Grafik 2)

WLAN wichtig für smarte Systeme

Dass das Thema in der Branche angekommen ist, bestätigt Tobias Dämlow, CDO bei Alloheim: „Die Alloheim Unternehmensgruppe führt momentan ein flächendeckendes Bewohner-WLAN ein.“ Den Bewohnern in den Residenzen solle schließlich „ein Leben wie Zuhause ermöglicht werden. Sie sollen die Möglichkeit erhalten mit ihren Familien in Verbindung sein zu können; auch per Video-Chat und auf vielen anderen Wegen. So können sie bald Fotos der Enkel empfangen und bei Bilder-Serien in Erinnerungen schwelgen. Zudem arbeitet die Alloheim Unternehmensgruppe an diversen Bewohner-Mehrwerten, die nur mittels der Datenübertragung, auch innerhalb der Bewohnerzimmer, ermöglicht wird.“

Smarte Systeme wie Betten, Sturzmelder und sonstige „Smart Home“-Systeme sind ohne den Einsatz von WLAN nicht vorstellbar. So erklärt Dr. Stefan Kettelhoit, Geschäftsführer der Hermann Bock GmbH: „Eine leistungsfähige technische Infrastruktur ist zwar keine zwingende aber doch eine sehr sinnvolle Voraussetzung für die schnelle Implementierung innovativer Hilfsmittel in der Pflege. Gerade bei der einfachen Installation unserer SMART Care Control Pflegebetten wünschen wir uns eine stärkere Verbreitung solcher Infrastruktur.“

WLAN häufiger in Ballungsgebieten – und in Neubauten

Die Verteilung von WLAN zeigt sich in der Studie jedoch nicht als flächendeckend gleich. Besonders in Stadtstaaten wie Hamburg (56 Prozent) und Berlin (67 Prozent) ist die Internetabdeckung überdurchschnittlich hoch, während in Flächenländern wie Baden-Württemberg und Bayern fast 80 Prozent der befragten Einrichtungen kein WLAN anbieten. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen zeigt sich die Verteilung von WLAN mit 46 Prozent beinahe ausgewogen, einen ähnlichen Wert erreicht Niedersachsen. Die neuen Bundesländer zeigten – mit Ausnahme von Berlin – in unserer Umfrage ein unterdurchschnittliches Angebot für die Bewohner.

Doch nicht nur der Standort spielt beim Angebot von WLAN eine Rolle. Heime, deren einrichtungseinheitlicher Eigenanteil und Investkosten zusammen über dem Durchschnitt von 957 Euro lagen, boten deutlich häufiger WLAN an (46 Prozent) als kostengünstigere Heime (33 Prozent). Womöglich ist diese Verteilung darauf zurück zu führen, dass modernere Heime und Neubauten im Schnitt höhere Investkosten aufweisen als Bestandsbauten – und in jenen modernen Bauten auch die interne Struktur für die Anbietung von WLAN besser ist als in älteren Gebäuden.

Das Internet wird für Senioren immer wichtiger, insbesondere wenn in Zukunft die Generation der Baby-Boomer pflegebedürftig werden sollten. Zwar ist das Angebot von WLAN noch bei weitem nicht flächendeckend eingesetzt, doch die Umfrageergebnisse und Stimmen aus der Branche zeigen, dass das Thema bei den verantwortlichen Parteien immerhin „auf dem Schirm“ ist. Die bereits vorhandenen Bemühungen, getrieben von dem Wunsch und der Notwendigkeit der Digitalisierung, machen die Verbreitung von Internet und WLAN zu einem unausweichlichen Faktor im Segment der stationären und teilstationären Pflege.


Share

Newsletter abonnieren

Diese Webseite nutzt Cookies

Wir nutzen Cookies zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit und um unsere Webseite entsprechend weiterzuentwickeln.